Suizid nach jahrelangem Telefonterror – Muss die Politik einschreiten?

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Wenn ein Anrufer ungerechtfertigt mit Mahnverfahren und Gerichtsvollziehern droht, kann das sehr einschüchternd wirken. In der Pfalz ging die Einschüchterung aber so weit, dass ein 74 jähriger Rentner sich vermutlich aus Angst vor dem finanziellen Ruin das Leben nahm. Über Jahre hinweg wurde er durch verschiedene Anrufer telefonisch terrorisiert und als letztendlich ein angeblicher Staatsanwalt ihm um eine vierstellige Summe betrog, setzte er seinem Leben ein Ende. Es ist nicht das erste Mal, dass unerwünschte Anrufe psychische Folgen haben und somit ist fraglich, ob die derzeitige Gesetzeslage eine ausreichend abschreckende Wirkung hat oder eher Verbraucher in einer trügerischen Sicherheit wiegt.

Kleingeschriebene Teilnahmebedingungen, unleserliche Schrift oder unverständliche Sätze genügen oft schon und man gibt arglos seine Telefonnummer nicht nur dem Gewinnspielveranstalter, sondern direkt allen Sponsoren und im schlimmsten Fall landet sie in diversen Datensätzen, die gewinnbringend verkauft werden. Die tellows Nutzerin „Kati77“ schreibt dazu:

Hallo, habe idiotischer Weise bei einem „Gewinnspiel“ für einen 500,-€ Gutschein für HundM (über Facebook) mitgemacht. Ich könnte mir in den ARS** beißen, da ich sonst nie an irgendwelchen Gewinnspielen teilnehme, aber nach dem dies hier auf den 1. Blick seriös aussah… . Und prompt ging es los das mich heute gleich in der Früh diese Nummer anrief. Mir war gestern irgenwie schon nicht wohl bei der Sach und da hab ich das gleich mal gegoogelt und heraus kam das die Daten die man hier angegeben hat Geburtsdatum + Adresse + Tele. dazu genutzt werden Zeitungsabos und Co anzudrehen.

Ist die eigene Nummer erst einmal in solch einem Verteiler geraten, ist es fast unmöglich diese noch normal zu verwenden oder unbedarft ans Telefon gehen zu können. Das die darauf folgenden Anrufe nicht nur nervig und mitunter zeitaufwendig sein können, zeigt ein Fall aus der Pfalz. Ein 74 Jähriger Mann wurde offenbar, nachdem er bei Gewinnspielen seine Telefonnummer angegeben hatte, jahrelang von verschiedenen Anrufern terrorisiert wurden. Als ein angeblicher Staatsanwalt anrief und ihm mitteilte, dass gegen ihn wegen illegalen Glücksspiels ermittelt wird, wurde es zu viel für den Rentner. Er bezahlte zwar das geforderte Geld um sich freizukaufen, aber die Sorgen um die finanzielle Zukunft waren wohl der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Dieses traurige Schicksal könnten viele ältere Leute teilen, da in dieser Bevölkerungsschicht nachweislich weniger nach Telefonnummern im Internet recherchiert wird. Ältere Menschen wissen oft überhaupt nicht, dass der Anrufer sie anlügt und betrachten die Anrufer als seriös und somit sind die Geldforderungen gerechtfertigt. Die Tatsache, dass ältere Mitbürger nicht sicher im Umgang mit neuen Technologien sind oder diese sogar überhaupt nicht nutzen, machen sich die Anrufer zu nutze und rufen gezielt diese potentiell leichteren Opfer an. Dass man die entscheidenden Passagen in den Gewinnspielbedingungen gut verstecken kann, kommt als zusätzlicher Punkt hinzu. Ein weiterer Grund für die gute Durchführbarkeit von solchen Anrufen ist, dass es zwar seit 9. Oktober 2013 eine neue Regelung gegen Werbeanrufe gibt, diese aber wohl wenig abschreckend wirkt oder in diesen Fällen keine Anwendung findet. Die Geldstrafen für verschiedene Vergehen, wie zum Beispiel Werbeanrufe oder falsche Inkassoforderungen, wurden zwar erhöht, aber dies ist wenig bekannt und wenn zum Beispiel die Nummer unterdrückt wird, ist eine Rückverfolgung nicht möglich. Die Rufnummernunterdrückung ist an sich sogar auch untersagt, aber die Haftbarkeit ist umstritten.
Anhand unserer Aufrufzahlen wissen wir, dass nachdem die neuen Regelungen in Kraft traten, es leider nicht zu einer spürbaren Entlastung kam. Inwieweit die Verursacher von Störanrufen die Strafen nicht als abschreckend erachten oder sich in der Sicherheit wiegen, dass Betroffene sich nicht wehren, ist unklar.

Unerwünschte Anrufe können mitunter viel mehr als nur nervig sein.


Ein weiterer Punkt für die nicht geglückte Umsetzung ist, dass, zum Beispiel durch die Teilnahme an einem kostenlosen Gewinnspiel, man oft automatisch der Datennutzung durch Sponsoren zustimmt. Wer diese Sponsoren sind und wofür genau die Daten verwendet werden, ist oftmals nur schwer oder überhaupt nicht ersichtlich. Solche Koppelungsangebote, also eine Teilnahme nur durch die Zustimmung für Werbung, ist juristisch nicht eindeutig geklärt. Viele Urteile bemängeln aber, dass es zu einer Beeinflussung kommt, da ein möglicher Gewinn verleitend wirken kann.

Würde es sich um bloße Werbeanrufe handeln, könnte man die Kopplung vielleicht ja sogar nachvollziehen: Ein Sachpreis muss irgendwie bezahlt werden, aber warum dafür die Nummer an sehr viele Unternehmen oder gar an Datensammler verkauft werden muss, ist nicht begründbar. Die uns durch die Community als störend empfundenen Anrufer, die die Nummer 06227441397250 verwenden, scheinen auch durch eine Teilnahme an Gewinnspielen an die Nummern der Betroffenen gelangt zu seien.

Selbstverständlich wird niemand gezwungen an irgendwelchen Gewinnspielen teilzunehmen und seine Daten preiszugeben, aber bei seriösen Anbietern oder bei seriös wirkenden, fällt es schwer zu widerstehen. Eigentlich müsste man sich selbst bei so etwas auch nicht stoppen, wenn die Angaben über die Nutzung der Daten klar formuliert und gut sichtbar wären. Ein Unternehmen, welches diese Angaben bewusst versteckt, zielt möglicherweise nur darauf ab an möglichst viele Daten zu gelangen und kann als unseriös deklariert werden.

In diesem Zusammenhang wollen wir natürlich auch eure Meinungen und Erfahrungen hören. Wusstet ihr von der Gesetzesänderung und findet ihr diese ausreichend? Ist man am Ende selbst schuld, wenn man das Kleingedruckte nicht beachtet?

Die Geschichte des 74 Jährigen Mannes offenbart die Problematik: Egal, wie einfach man sich im Internet, zum Beispiels auf tellows, informieren kann, wenn diese Informationsquelle nicht jedem zugänglich ist, nützt es nicht viel. An dieser Stelle müssten Kinder oder Enkelkinder der Betroffenen einspringen und helfen. Tellows selbst bietet für verschiedene Endgeräte Möglichkeiten zum Schutz an, welche auch für ältere Menschen anwendbar sind. Wenn dann aber die Gesetzeslage so uneindeutig ist oder sich nicht alle daran halten, ist es nicht auszuschließen, dass es trotzdem weiterhin zu Betrug am Telefon kommen könnte. Tellows, als Community und Anlaufstelle für die Nummernrecherche kann beispielsweise auch nur funktionieren, wenn die Anrufer ihre Nummer nicht unterdrücken. So lange die Rechtssprechung hier aber unausgereift ist, wird es immer schwarze Schafe geben können.

Vielleicht rüttelt das Schicksal des Mannes auf und es kommt Bewegung in die ganze Debatte.
Bis es so weit ist, könnt ihr euch immerhin auf den tellows Score und die tellows Community verlassen.
Der ganzen Community wünschen wir an dieser Stelle einen schönen Tag und verbleiben mit besten Grüßen,

euer Team von tellows.

Quelle:
Mannheimer Morgen

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